Energieplanung nach ISO 50001 zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung

Ziel der ISO 50001 ist es, so ist es im Abschnitt 1 „Anwendungsbereich“ nachzulesen, dass Organisationen ihre energiebezogene Leistung verbessern. Wie dies konkret in der jeweiligen Organisation erfolgen kann, wird mittels der Energieplanung nach ISO 50001 identifiziert. Deren zentraler Schritt, die energetische Bewertung, soll unter anderem dazu führen, dass Möglichkeiten, um die energiebezogene Leistung zu optimieren, identifiziert und priorisiert werden. Diese sind dann bei der Festlegung der strategischen und operativen Energieziele zu berücksichtigen. Dabei umfasst das Konzept der energiebezogenen Leistung unter anderem den Energieeinsatz, den Energieverbrauch sowie die Energieeffizienz. Um die energiebezogene Leistung zu verbessern, haben Unternehmen also eine große Auswahl an Aktivitäten, die sie angehen können. Möglich wäre so beispielsweise eine Verringerung der Spitzenlast oder auch die Optimierung aller Geschäftsprozesse, die einen Einfluss auf den Energieeinsatz oder -verbrauch haben.  Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen einige Möglichkeiten auf, wie Sie Ihre energiebezogen Leistung im Rahmen der Energieplanung verbessern.

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Verbesserung der energiebezogenen Leistung als Kernkonzept eines Energiemanagementsystems

Die Verbesserung der energiebezogenen Leistung wird nicht nur im Anwendungsbereich im rahmen der Energieplanung nach ISO 50001 erwähnt, sondern an zahlreichen Stellen auch bei den Anforderungen an ein Energiemanagementsystem erwähnt: So gehört es zu den zentralen allgemeinen Anforderungen (4.1), zu bestimmen, wie die Anforderungen der Norm erfüllt werden sollen.

In der Energiepolitik (4.3) muss eine Verpflichtung zur kontinuierlichen Verbesserung der energiebezogenen Leistung enthalten sein; und interne Audits (4.6.3) dienen dazu, sicherzustellen, dass das EnMS in wirksamer Form verwirklicht und aufrechterhalten sowie die energiebezogene Leistung auch tatsächlich verbessert wird.

Kein Zweifel also: ohne eine tatsächliche Verbesserung der energiebezogenen Leistung ist auf Dauer die Aufrechterhaltung einer Zertifizierung nach ISO 50001 nicht möglich. Daher ist es von großer Bedeutung zu verstehen, was genau die Norm unter diesem Begriff versteht. Eine Definition finden wir in 3.12 ISO 50001: als energiebezogene Leistung werden dort „messbare Ergebnisse bezüglich Energieeffizienz, Energieeinsatz und Energieverbrauch“ bezeichnet. Auch diese Begriffe sind in der Norm definiert:

• Energieeffizienz (3.8): Verhältnis oder eine andere quantitative Beziehung zwischen der erzielten Leistung bzw. einem Ertrag an Dienstleistungen, Gütern oder Energie und der eingesetzten Energie,
• Energieeinsatz (3.18): Art bzw. Methode der Anwendung von Energie,
• Energieverbrauch (3.7): Menge der eingesetzten Energie.

Wenn wir diese Definitionen in die der energiebezogenen Leistung einsetzen, erhalten wir eine umfassende Definition für die Verbesserung der energiebezogenen Leistung. Demnächst versteht man unter diesem Begriff messbare Verbesserungen bezüglich:

• Verhältnis oder andere quantitative Beziehung zwischen der erzielten Leistung bzw. einem Ertrag an Dienstleistungen, Gütern oder Energie und der eingesetzten Energie,
• Art und Methode der Anwendung von Energie oder
• Menge der eingesetzten Energie.

Dabei gilt, dass die energiebezogene Leistung bereits dann verbessert wird, wenn in einem dieser Bereiche messbare Verbesserungen erreicht werden. Woran Ergebnisse gemessen werden können, erläutert Anm. 1 zur Definition des Begriffs: an der Energiepolitik, den strategischen und operativen Energiezielen und „weiteren energiebezogenen Leistungsanforderungen“ – etwa aus Rechtsvorschriften oder Selbstverpflichtungen. Insbesondere bei der Festlegung der Energiepolitik und der Energieziele sollte die Organisation daher darauf achten, ein sinnvolles Konzept zu formulieren, denn hieran wird sie gemessen werden.

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Mit erneuerbaren Energien die energiebezogene Leistung verbessern

Zwingt die ISO 50001 Unternehmen zur vermehrten Nutzung erneuerbarer Energie? Nein, eine solche Anforderung ist in der Norm nicht enthalten. Dort wird zwar gefordert (4.5.7), dass die Organisation Anforderungen für die Beschaffung von Energie festlegen und dokumentieren muss, die sich für einen effizienten Energieeinsatz eignen, aber dies bedeutet nicht zwangsläufig den Einsatz erneuerbarer Energie (zumindest dann nicht, wenn der Anwendungsbereich des Energiemanagementsystems nicht ausdrücklich auch die vorgelagerte Energieumwandlung mit umfasst – wenn er dieses tut, kann das anders aussehen, weil etwa bei direkter Stromerzeugung aus Wind und Sonne die in Wärmekraftwerken entstehenden Abwärmeverluste entfallen.)

Kann die Nutzung erneuerbarer Energien als Verbesserung der energiebezogenen Leistung verstanden werden?

Ja, das kann sie, weil sie etwa als Verbesserung des Energieeinsatzes verstanden werden kann – es werden Energieträger verwendet, die energieeffizienter (und umweltfreundlicher, aber das ist nicht Anwendungsbereich der ISO 50001, wohl aber interessant, wenn dieses Teil eines integrierten Managementsystems mit einem Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 ist) hergestellt worden sind. In den Beispielen der Norm sind bei Energieeinsatz nur Verwendungsarten aufgeführt, das schließt andere Anwendungen aber nicht aus – zu empfehlen wäre aber, die Verwendung erneuerbarer Energien in der Energiepolitik zu verankern, die ja wie dargestellt eine Messlatte für die Messung der Verbesserung der energiebezogenen Leistung ist.

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So kann Ihr Unternehmen bei der Energieplanung ISO 50001 die energiebezogene Leistung verbessern

Von den drei Bereichen, die zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung beitragen können, spielt in der Praxis wohl die Verbesserung der Energieeffizienz die größte Rolle. Dennoch sollten bei der energetischen Bewertung die beiden anderen Bereiche Energieverbrauch und Energieeinsatz nicht übergangen werden.

Energieplanung ISO 50001 - energiebezogene Leistung verbessern

Energieverbrauch
Letztendlich ist es der Umwelt egal, wie effizient Energie genutzt wird – Umweltauswirkungen entstehen durch die absolute Menge an verbrauchter Energie! Wenn man dieses vergisst, können durch verbesserte Effizienz erzielte Gewinne leicht wieder verloren gehen – wenn etwa die Lampen effizienter werden, aber mehr Lampen eingesetzt werden, weil der Strom hierfür jetzt ja weniger kostet (dieses weit verbreitete Phänomen wird als „Rebound-Effekt“ bezeichnet). Insbesondere für Unternehmen, die schnell wachsen, ist es mitunter schwierig, absolut sinkende Energieverbräuche zu erreichen. (Bei dieser Frage stoßen die auf einzelne Organisationen ausgerichteten Managementsysteme an ihre Grenzen – global ist es natürlich die entscheidende Frage, wie wir von wachsenden Energie- und Rohstoffverbräuchen, die mit einem endlichen Planeten unvereinbar sind, abkommen, zumal der globale Energie- und Rohstoffverbrauch heute schon die Regenerationsfähigkeit der Erde übersteigt)

Energieeinsatz
Anders als beim Verbrauch von Energie sieht es beim Energieeinsatz aus. Hierunter fällt, wie oben dargestellt, sowohl die Nutzung erneuerbarer Energien (die ja, wenn etwa die Klimabeschlüsse von Paris 2015 ernst genommen werden, ohnehin die Zukunft der Energieversorgung darstellen, d. h. die Frage nach ihrer Nutzung stellt sich bis 2050 jedem Unternehmen und mit dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz gibt es hierzu auch bereits erste Rechtsvorschriften) als auch die Nutzung der für die jeweilige Aufgabe angemessenen Energieträger, die auch wirtschaftlich relevant ist (siehe Infobox). Praktische Beispiele für eine Verbesserung des Energieeinsatzes wären der Ersatz einer elektrischen Raumheizung durch Gasbrenner oder von druckluftbetriebenen Werkzeugen durch elektrische.

Energieeffizienz
Die Verbesserung der Energieeffizienz, also das Bestreben, mehr Nutzen aus den eingesetzten Energieträgern zu holen, ist nicht nur der Kern der meisten betrieblichen EnMS, sondern auch der politischen Anstrengungen: viele Energiemanagementsysteme gehen ja auf die Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie zurück, und auch die für die energie – bezogene Leistung relevanten nationalen Rechtsvorschriften wie die Energieeinsparverordnung beschäftigen sich (mit Ausnahme des erwähnten EEWärmeG) praktisch vor allem mit diesem Thema. Bei den möglichen Verbesserungsansätzen kann zwischen technischen und personen- /verhaltensbezogenen Maßnahmen unterschieden werden:

Technische Maßnahmen
Hierunter fallen Maßnahmen wie die Verbesserung der Effizienz des Heizkessels durch richtige Dimensionierung und Nutzung effizienter Technologien (z. B. Brennwerttechnik), die Isolierung von Gebäudehüllen und Warmwasserleitungen, Auswahl effizienter Produktionsverfahren und -anlagen, Nutzung effizienter Elektromotoren, -pumpen und Antriebssystemen, Nutzung von Abwärme, die Nutzung effizienter Beleuchtungsanlagen, von Bewegungs- und Tageslichtsensoren zur Vermeidung unnötiger Beleuchtung, etc.

Verhaltensbezogene Maßnahmen
Verhaltensbedingte Maßnahmen sind solche, mit denen die Mitarbeiter ohne Investitionen in die technische Ausstattung zur Verbesserung der Energieeffizienz beitragen können: angemessene Raumtemperatur einstellen, Heizung/Klimaanlage ausschalten, wenn die Fenster geöffnet werden, nicht benötigte Maschinen, Anlagen etc. in den Pausen ausschalten, Licht in Räumen ausschalten, in denen sich niemand aufhält, etc.

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Verbesserung der energiebezogenen Leistung durch Verbesserungen beim Energieeinsatz

Während beim Energieverbrauch nur die Quantität (Menge) an eingesetzter Energie betrachtet wird, geht es bei der Auswahl angemessener Energieträger um deren Qualität: Energie kann mehr oder weniger hochwertig sein, wobei „hochwertig“ für die Nutzbarkeit der Energie zum Verrichten von Arbeit steht. Ein sehr hochwertiger Energieträger ist beispielsweise Strom, der sehr vielfältig nutzbar ist; Niedertemperaturwärme ist dagegen eine „minderwertige“ Energieform.

In der Technik wird der nutzbare Anteil an Energie als Exergie bezeichnet, der nicht nutzbare Anteil als Anergie. Wichtig ist dabei, dass die Exergie keine Zustandsgröße ist, also verändert werden kann. Sie kann verloren gehen (in Anergie umgewandelt werden), und sie kann aus der Umgebung aufgenommen werden.

Das bedeutet jedoch, dass hierbei Energie verbraucht wird, und darum sind hochwertige Energieformen in der Regel teurer als weniger hochwertige. Während etwa Strom zum Erzeugen von Niedertemperaturwärme (zumindest, wenn nur der Verbrauch betrachtet wird) sehr effizient ist (der Strom wird zu 100 Prozent in Wärme umgewandelt), ist das Heizen mit Strom teuer, da eine kWh Strom mehr kostet als etwa eine kWh Gas. Daher ist die Berücksichtigung einer angemessenen Energiequalität bei der Betrachtung des Energieeinsatzes in der Regel auch wirtschaftlich interessant. Besonders teuer sind Energieträger, die sehr hochwertige Energieträger noch einmal „veredeln“, so etwa Druckluft, die mittels strombetriebener Kompressoren hergestellt wird. Die Nutzung solcher Energieträger kann gerechtfertigt sein, wenn übergeordnete Aspekte (etwa der Explosionsschutz) dieses erfordern, es sollte aber darauf geachtet werden, sie nicht dort einzusetzen, wo es einfach nur bequem ist.

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Energiebezogene Leistung im Rahmen des Energiemanagementsystems verbessern

Die für das Unternehmen sinnvollsten Maßnahmen werden mit der energetischen Bewertung identifiziert und priorisiert. Nach welchen Kriterien priorisiert wird, darf das Unternehmen selbst festlegen. Neben der Verbesserung der energiebezogenen Leistung werden in der Regel auch betriebliche und wirtschaftliche Aspekte, aber auch Fragen wie die Auswirkung auf das Unternehmensimage, berücksichtigt. Ebenso spielt eine Rolle, welche (strategischen und operativen) Energieziele sich das Unternehmen mithilfe einer Energieplanung gesetzt hat, schließlich sollen die Maßnahmen die Zielerreichung unterstützen. Dokumentiert werden die ausgewählten Maßnahmen in dem Aktionsplan/den Aktionsplänen des Unternehmens. Die Umsetzung im Rahmen des Energiemanagementsystems wird über Aufbau- bzw. Ablauforganisation sichergestellt: Auf jeden Fall müssen Verantwortlichkeiten festgelegt und notwendige Ressourcen bereitgestellt werden, ggf. auch ablauforganisatorische Regelungen (Verfahren/Prozesse) festgelegt werden.